Hl. Daniele Comboni

Daniele Comboni – die Geschichte eines Heiligen


15. März 1831: Daniele wurde in Limone sul Garda als Sohn einer bescheidenen Familie geboren, die das Wärterhaus der Limonaia in der Ortschaft Tesöl bewohnte (eine Kuriosität: bis 1859 gehörte Limone zum Österreichisch-Ungarischen Kaiserreich, somit war Daniele Comboni von der Geburt her Österreichischer Nationalität).

20. Februar 1843 (12 Jahre): er wurde im Seminar aufgenommen, das Pfarrer Nicola Mazza in Verona für mittellose, aber talentierte Kinder gegründet hatte.

6. Januar 1849 (18 Jahre): Comboni schwor, sein Leben der Mission in Afrika bzw. „Nigrizien“, wie Schwarzafrika damals in Italien genannt wurde, zu widmen.

Bis 1854 (bis zum Alter von 23 Jahren) studierte er im Priesterseminar Mazza mit Erfolg die wichtigsten europäischen Sprachen (Französisch, Deutsch und Englisch).

31. Dezember 1854 (23 Jahre) wurde er im Dom von Trient vom Bischof, dem seligen Johann Nepomuk Tschiderer, persönlich zum Priester geweiht. 6. Septemer 1857 (26 Jahre): Comboni unternahm seine erste Reise nach Afrika; gemeinsam mit weiteren fünf Missionären und einem Laien legte er vom Hafen von Triest ab, um seinen Traum zu verwirklichen: die Teilnahme an der Missionstätigkeit des Seminars Mazza in Zentralafrika, nach den Idealen von Don Nicola Mazza (seinem Lehrer im Priesterseminar). Zu der Zeit war es schon in Europa nicht einfach zu reisen, geschweige denn in Afrika, wo es noch nicht einmal verlässliche Karten oder moderne Fahrzeuge gab. Dazu kamen Hitze, Krankheiten durch einfache Insektenstiche oder durch den Verzehr von gängigen Nahrungsmitteln oder von Wasser. Für einen Europäer bedeutete dies, sich einem nahezu gewissen Tod auszusetzen. Der Aufbruch in die Mission war daher eine Reise, bei der man weder wusste, wann noch ob man jemals heimkehren würde. Trotz dieser Schwierigkeiten erreichte die Missionsgruppe am 8. Januar Khartum im Sudan; von hier aus ging es den Weißen Nil entlang hoch bis zum einzigen Überlebenden von fünf deutschen Missionären (es ist vielleicht kurios zu wissen, dass Daniele sein Leben lang vor allem zu deutschen Einrichtungen und Missionären Kontakt hatte; er selbst reiste auf seinen europäischen und afrikanischen Wegen unter dem Schutze des Hauses Habsburg bzw. des Österreichischen Kaisers, mit einem sehr seltenen und kostbaren Visum, das unbegrenzt gültig war).

1859 (28 Jahre): Daniele kehrte nach Verona zurück; er war der einzige Überlebende jener Gruppe, die drei Jahre zuvor von Triest aufgebrochen war. Er war selbst krank, wollte aber unbedingt einige junge Leute ausbilden, die er aus dem Sklaventum befreit hatte. Schließlich erhielt er hierzu die Genehmigung. Zu der Zeit sah man die Afrikaner nur als Handelsgegenstand an. Es mag ein Ding der Unmöglichkeit erscheinen, aber in dieser ersten Mission hatte es Daniele geschafft, Wörter- und Grammatikbücher der afrikanischen Sprachen anzulegen, mit denen er in Kontakt kam; Sprachen, die bisher nicht in Schriftform, sondern nur mündlich existierten: dies galt für die Sprache der Denka, Bari, Cordofan und Nuba. 15. September 1864 (33 Jahre): dies war ein wichtiger Moment in seinem Leben. Während eines Gebets am Grab des Heiligen Petrus in Rom kam ihm die Erleuchtung, „Afrika musste durch Afrika gerettet werden“. Die Betrachtung seiner eigenen Erfahrung bewog ihm zum Schluss, dass sich die Missionstätigkeit in der afrikanischen Realität ändern musste. Wenn es das mörderische Klima und die feindlichen Umweltbedingungen den europäischen Missionären nicht gestatteten, den Kontinent zu erobern, so mussten die Afrikaner selbst ausgebildet werden. Dies bedeutete, dass die Rettung Afrikas durch Afrika selbst erfolgen musste. Diese Ansicht war für die damaligen Zeiten überaus revolutionär, denn die Afrikaner wurden selbst von der Kirche nicht als Menschen gleicher Würde angesehen wie die Weißen. Daniele aber erkannte Afrika, seinem „Nigrizien“ die Fähigkeit zu, sich auf allen Ebenen und in allen Bereichen zu entwickeln: moralisch, kulturell und gesellschaftlich.

August 1865 (34 Jahre): Don Nicola Mazza, der Gründer des Mazza-Institutes, dem Daniele angehörte, starb. Angesichts der zunehmend kritischen finanziellen Lage des Institutes und anderer Schwierigkeiten, welche Menschen ohne Vertrauen in die Mission bereiteten, beschloss sein Nachfolger, die Tätigkeiten in Afrika definitiv einzustellen. Daniele blieb allein zurück.

Im Mai 1867 (36 Jahre) eröffnete Daniele in einem bescheidenen Haus in Verona, das Männerinstitut für Missionäre in Schwarzafrika (welches später zum Combonianischen Missionsinstitut wurde); dieses Institut wurde zu einem Bezugspunkt für alle Missionäre, die ihr Werk in Afrika fortsetzen wollen. Hier flossen Missionäre zusammen, deren Institute die Entwicklungstätigkeit in Afrika aus finanziellen Gründen nicht mehr unterstützten. Gegen Ende des Jahres brach er gemeinsam mit drei Camillianer-Patres, sechs Franziskaner Schwestern und 16 afrikanischen Mädchen, die ihre Ausbildung in Europa absolviert hatten, auf, um in Kairo eines der ersten Institute zu gründen, die er vorgesehen hatte. Er musste jedoch unvorhergesehen nach Europa zurückkehren, um persönlich Leute und Hilfsmittel zu suchen, was verschiedene Reisen in mehr als eine europäische Hauptstadt bedeutete (Frankreich, Deutschland, Österreich, England, Belgien, Schweiz, Russland und Holland). Es war ihm für sein Projekt wichtig, dass die Missionstätigkeit nicht auf das eine oder andere Land beschränkt blieb, sondern dass es ein großes, gesamteuropäisches Unternehmen war; Afrika sollte nicht europäisiert, sondern durch seine eigenen Kulturen und Traditionen aufgewertet bzw. regeneriert werden. In Januar 1872 (41 Jahre) gründete er das Institut der Frommen Mütter von Schwarzafrika, das erste Fraueninstitut für Missionstätigkeit der Geschichte. Dieses Institut war sehr gewünscht worden und es sollte in Zukunft noch eine wichtige Rolle spielen – was es heute noch mit der kostbaren Tätigkeit der Combonianer tut. Von ihnen schrieb Daniele später in einem Brief: „…Mit der gleichen Leichtigkeit, mit der sie in Europa einem vernachlässigten Waisenmädchen das ABC beibringen, gehen sie eine Reise nach Zentralafrika an, die sie dazu zwingt, sich monatelang bei 60° Hitze fortzubewegen; sie durchqueren Wüsten auf dem Kamelrücken und besteigen ein Pferd, das sie mitunter erst zureiten müssen; sie schlafen unter freiem Sternenhimmel unter einem Baum oder im Winkel einer arabischen Barkasse, sie drohen dem bewaffneten Beduinen und werfen ihm seine Laster vor; sie stehen dem Soldaten im Krankenhaus bei und verlangen von den türkischen Gerichten oder von den Paschas für einen Unglücklichen und Unterdrückten Gerechtigkeit, sie fürchten weder die Hyänen noch das Brüllen des Löwen…“. Am 26. Mai wurde Daniele zum Apostolischen Vizevikar von Zentralafrika ernannt; sein Missionssinn war so groß, dass er zu der Zeit bereits die ersten afrikanischen Mitarbeiter hatte.

Im Mai 1873 (42 Jahre) ging er nach Khartum, wo er sich voll und ganz für die Realisierung seines Projektes einsetzte.

1876 ( 45 Jahre) fuhr Comboni nach Europa zurück, weil er sich um die beiden Missionsinstitute in Verona kümmern und wieder Personal und finanzielle Unterstützung suchen musste.

Am 11. Juli 1877 (46 Jahre) wurde er zum Apostolischen Vikar für Zentralafrika ernannt und am 12. August zum Bischof geweiht, wobei ihm als Bischofssitz Claudiopolis (der lateinische Name der Stadt Cluj bzw. Klausenburg in Rumänien) zugewiesen wurde. Er nahm daraufhin seine Reise durch ganz Europa wieder auf, um die Werbetrommel für die Missionen zu rühren. Am 3. Dezember fuhr er gemeinsam mit fünf Frommen Müttern aus seinem Institut nach Afrika.

Im April 1878 (47 Jahre) war er wieder in Khartum, wo er mit großer Begeisterung empfangen wurde; gleich darauf musste er sich mit einer Hungersnot auseinandersetzen, die so schlimm war wie keine je zuvor im Sudan.

1879 (48 Jahre) musste er – von ständigem Fieber geschwächt – nach Italien zurückkehren. Auch hierbei bewies er eine unglaubliche Liebe zu seiner Mission: er nahm die Gelegenheit wahr, um seine Institute in Verona definitiv herzurichten. 1880 (49 Jahre) kehrte Comboni in den Sudan zurück, um alle Missionen seines Vikariats zu besuchen (Khartum, El-Obeid, Malbes, Dilling). Von Dilling aus ging er die Berge Nuba erforschen, weil er auch weiter weg von den Städten eine afrikanische Mission gründen wollte. Daniele war körperlich sehr resistent, aber die enormen physischen und seelischen Strapazen (sehr viele seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen waren plötzlichen Krankheiten erlegen) und die Opfer jeder Art hinterließen tiefe Spuren.

Am 5. Oktober 1881 (50 Jahre) erlitt er einen schweren Fieberanfall; am l0. Oktober fiel er ins Delirium und gegen 22 Uhr verstarb er, im Beisein seiner Missionsschwestern und eines kanadischen Missionärs. Am darauf folgenden Tag wurde er im Garten der Mission begraben.

Während des Mahdi-Aufstandes (1881-1898) wurden aus religiösen Gründen viele Missionäre umgebracht und zahlreiche Missionen zerstört. Hierbei wurden auch das Grab Daniele Combonis entwürdigt und seine Überreste verstreut. Als sich die ersten beiden Missionäre wieder nach Khartum wagen konnten, fanden sie einige Knochenrelikte, sammelten sie und gaben sie in eine Urne, welche sie dann in eine Kirche nach Assuan (Ägypten) brachten.

Im 20. Jahrhundert brachte Combonis Weitsicht, die darauf hinzielte, „Afrika durch Afrika zu retten“ viele Früchte. Es wurden zwei Combonianische Laien-Institute gegründet: das Fraueninstitut für Laienhelferinnen „Istituto Secolare Missionarie Comboniane“ 1969 und das Männerinstitut für Laienhelfer „Laici Missionari Comboniani“ 1990. Am 6. April 1995 wurde das Wunder anerkannt, das Maria José de Oliveira Paixão, ein Mädchen afro-brasilianischer Herkunft, durch Combonis Fürbitte gerettet hatte. Am 17. März 1996 wurde Daniele Comboni von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

Am 20. Dezember 2002 wurde das zweite Wunder anerkannt, mit dem er der islamischen Mutter aus dem Sudan, Lubna Abdel Aziz, geholfen hatte.

Am 5. Oktober 2003 wurde Daniele Comboni von Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen.